Molekulargenetische Diagnostik

Neurofibromatose Typ 1–ähnliches Syndrom (NF1-like), Legius Syndrom
OMIM: 611431 (NFLS)

Hintergrund

Das Neurofibromatose Typ 1-ähnliche (NF1-like) Syndrom wird autosomal dominant vererbt und durch Mutationen im SPROUTY-RELATED, EVH1 DOMAIN CONTAINING 1-Gen (SPRED1) ausgelöst. Bei NF1-like treten multiple Café-au-Lait Flecken ohne Tumore bzw. Neurofibrome wie bei NF1 auf, wobei selten zusätzliche klinische Symptome beobachtet werden (s.u.). Das klinische Beschwerdebild wurde bislang definiert anhand von <200 molekulargenetisch gesicherten NF1-like Fällen. Das SPRED1-Gen (auf Chromosom 15q14) kodiert für ein Protein, welches als Antwort auf Wachstumsfaktoren von Tyorsin-Kinasen phosphoryliert wird. SPRED1-Protein bildet Homodimere und Heterodimere mit SPRED2-Protein, und reguliert die Aktivierung der MAP Kinase-Signalkaskade.

Klinik

Erste NF1-like Anzeichen sind oft wie bei NF1 Café-au-Lait Flecken ohne Tumore/ Neurofibrome. Weitere klinische Symptome schließen freckling, Lipome, Makrocephalie, Lernschwierigkeiten/-behinderung, ADHD (Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung) und Entwicklungsverzögerungen ein.

Diagnose

In unklaren Fällen sollte initial die molekulargenetische NF1-Absicherung stattfinden, da NF1 häufiger und die Mutationsdetektionsrate deutlich höher ist.

Mutationsdetektionsraten nach Messiaen et al. (2009):

  • 43.4% für NF1 gegenüber 1.3% für SPRED1 bei Einzel-Fällen (kein anderes betroffenes Familienmitglied) wenn folgende Symptome vorliegen: >5 Café-au-Lait Flecken, ± freckling, ohne weitere NF1-Kriterien.
  • 73.4% für NF1 gegenüber 19% in SPRED1 bei Individuen mit folgenden Symptomen: >5 Café-au-Lait Flecken, ± freckling, keine weiteren NF1-Kriterien und ein Elternteil mit Symptomen (>5 Café-au-Lait Flecken, ± freckling, keine weiteren NF1-Kriterien.

Vererbung

Wenn ein mutiertes NF1-like Allel ererbt ist, wird die Erkrankung nach dem Prinzip des second hits (Auftreten einer 2. pathogenen Mutation im Normal-Allel) ausgelöst. Betroffene Elternteile vererben mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % die Erkrankung an ihre Kinder.

Therapie

Eine kausale Therapie für NF1-like ist nicht verfügbar, jedoch können Verhaltenstherapie und Medikation z.B. bei Individuen mit ADHD helfen neben beispielweise chirurgischer Therapie für Lipome.

Erforderliches Probenmaterial

  • 5-10 ml EDTA-Blut (2 Proben)

EDTA-Blutproben für molekulargenetische Untersuchungen können in der Regel ungekühlt mit der Post verschickt werden.
Bitte beschriften Sie alle Probengefäße eindeutig mit Namen und Geburtsdatum des Patienten. Nicht eindeutig beschriftete Proben können nicht bearbeitet werden. Bitte benutzen Sie unsere Anforderungsscheine (incl. Patienteneinverständnis-Erklärung). Hier können alle erforderlichen Angaben zur Anforderung von Untersuchungen eingetragen werden.

Schriftliche Einwilligungserklärung gemäß GenDG ist erforderlich!

Bei humangenetischen Untersuchungen ist wichtig, ob es sich um eine diagnostische Abklärung bei einem Erkrankten oder um (prädiktive) Testung einer Risikoperson auf Anlageträgerschaft für eine in der Familie bekannte Mutation handelt. Bei prädiktiven genetischen Untersuchungen ist gemäß GenDG eine vorherige genetische Beratung verpflichtend gefordert.

Methode

Die NF1-like Diagnostik wird stufenweise durchgeführt. Nach Isolation genomischer DNA aus der Blutprobe wird initial mittels MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) die NF1-like Stufendiagnostik eingeleitet. Falls keine pathogenetisch relevante Duplikation/ Deletion nachweisbar ist, wird die DNA-Sequenz aller kodierenden Bereiche inkl. angrenzender intronischer Regionen analysiert.

Dauer der Untersuchung: bis zu 4-8 Wochen nach Probeneingang
Kosten: auf Anfrage

Akkreditiertes Verfahren nach DIN EN ISO 15189:2014

 

Diagnostik

  • Dr. rer. nat. Regina Kropatsch 
    Humangenetik
    Gebäude MA 5
    Ruhr-Universität
    Universitätsstraße 150
    44801 Bochum
    Germany

    Tel.: +49 (0)234/32-25764
    Fax: +49 (0)234/32-14196
    regina.kropatsch@rub.de